Schuld sind immer die anderen – Ein Beitrag zur Fehlerkultur

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Seit es uns Menschen auf dieser Welt gibt, leben wir in arbeitsteiligen Gruppen zusammen, in denen jeder seinen Teil zum Gemeinwohl beitragen soll. Damit die Arbeitsteilung und das Zusammenleben funktioniert, einigen wir uns auf bestimmte Verhaltensregeln, von denen wir uns einen Mehrwert für die Gemeinschaft versprechen. Abweichendes Verhalten einzelner wird von der Gruppe sanktioniert. Denn wer sich nicht an die Regeln hält, gefährdet das Gemeinwohl.

Die Angst vor Fehlern ist anerzogen

Aus diesem Grundprinzip hat sich über Jahrtausende ein unglaublich komplexes System aus Verhaltensregeln entwickelt, das wir heute in Gesetzbüchern und kulturellen Normen und Werten wiederfinden. Als Kinder lernen wir diese Wertesysteme kennen und bemühen uns, möglichst das richtige Verhalten zeigen, da das richtige Verhalten vom sozialen Umfeld belohnt, während das falsche bestraft wird. In der Schule lernen wir früh, dass Fehler machen etwas schlechtes ist. Kinder, die mehr Fehler beim Rechnen oder Schreiben machen, kriegen schlechtere Zeugnisse, als die Kinder, die weniger Fehler machen. Wir werden dazu erzogen, immer möglichst alles richtig und fehlerfrei zu machen und fürchten die möglichen Sanktionen der Gruppe bei Abweichung. Doch wissen wir nicht eigentlich alle, dass Fehler machen zum Menschsein dazu gehört und Trösten uns im Fall der Fälle mit Sprichwörtern wie Aus Fehlern lernt man am Besten?

Schuldzuweisungen statt Lösungen

Komischerweise wollen wir trotzdem alle keine Fehler machen. Täglich entstehen unzählige zwischenmenschliche Konflikte, weil Menschen darüber uneinig sind, wer den Fehler gemacht hat, der zu einem unerwünschten Ergebnis geführt hat. Ob im Familienleben, bei der Arbeit, im Freundeskreis oder Sportverein. Wir alle haben schon zahlreiche dieser Diskussionen geführt, in denen wir vor allem bemüht sind, jegliche Schuld von uns zu weisen. Schließlich will keiner von den anderen sanktioniert werden. Probleme werden so jedoch selten gelöst.

Bei Goodmind Consulting herrscht eine völlig andere Auffassung von Schuld und Fehlern. Wir glauben, Schuld ist Macht. Nur diejenigen, die Verantwortung für ein unerfreuliches Ergebnis übernehmen, entwickeln den persönlichen Anspruch an sich selbst, es beim nächsten Mal besser zu machen und aus den eigenen Fehlern zu lernen. Fehler machen gehört immer dazu, wenn man etwas zum ersten Mal macht, aber ist das etwa ein Grund, sich keinen neuen Dingen mehr zu öffnen?

 

Ein Beispiel: Dies könnte der erste Artikel sein, den ich für diesen Blog schreibe und ich weiß nicht, ob der Text anderen Menschen gefällt. Ich könnte negatives Feedback erhalten und würde mich vermutlich sehr unwohl damit fühlen. Das ist ganz normal, wir alle fühlen uns unwohl, wenn wir negatives Feedback zu unserer Person erhalten. Um uns besser zu fühlen, folgen wir oft eine der drei folgenden Strategien:

 

  1. Wir weisen jede Schuld zurück. Wir machen die Umstände verantwortlich (ich hatte zu wenig Zeit zum Schreiben) oder andere Menschen (die Person, die mir negatives Feedback gibt, hat unrecht) und werden feststellen, dass wir uns schnell besser fühlen, wenn wir diese Ideen verinnerlichen.
  2. Wir geben auf. Wir nehmen das Feedback an und ändern unsere Einstellung zu uns selbst und akzeptieren, dass wir etwas nicht können.
  3. Wir erkennen den Wert des Feedbacks und konzentrieren uns auf die Chance, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Wiederstände durchbrechen lohnt sich

Unser Selbstschutzmechanismus verleitet uns immer wieder dazu, den ersten oder zweiten Weg zu gehen. Wir streben nach einem positiven Selbstwertgefühl. Eine Situation, in der unsere Erwartung und das erzielte Ergebnis weit auseinander liegen, fühlt sich unangenehm an. Wir empfinden Stress, den wir zu reduzieren versuchen. Es fällt uns dabei oft viel leichter, unsere Einstellungen und Erwartungen zu ändern, als unser Verhalten zu ändern, um beim nächsten Mal den eigenen Erwartungen gerecht zu werden. Im Volksmund spricht man in solchen Fällen oft vom Weg des geringsten Widerstandes. Aus der wissenschaftlichen Perspektive bietet Daniel Kahneman mit seinem Konzept des schnellen Denkens und langsamen Denkens einen anschaulichen Einstieg in die psychologischen Prozesse, die uns immer wieder auf den Weg des geringsten Wiederstandes locken wollen. Dabei lernen wir und entwickeln uns immer dann weiter, wenn wir diesen Weg verlassen und uns ins Unbekannte aufmachen, neue Dinge ausprobieren und ganz besonders dann, wenn dabei nicht immer alles auf Anhieb gelingt und auch, wenn uns das Unbekannte manchmal Angst macht.

Ich möchte Dir ans Herz legen, den Weg des geringsten Widerstands so oft Du kannst zu meiden. Mach Deine Fehler, übernimm’ Verantwortung für ihre Konsequenzen, zieh Deine Schlüsse und mach es beim nächsten Mal besser. 

 

Dein Marek

 

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